Nie wieder Krieg
Was heißt das eigentlich? Was bedeutet Krieg – Krieg führen?
Wann beginnt er?
Krieg beginnt immer HIER – genau dort, wo wir sind!
Krieg beginnt in unseren Köpfen. In meinem Kopf, in Ihrem Kopf.
„Nie wieder Krieg“ bedeutet also: sich bewusst zu machen, was im
eigenen Kopf vorgeht.
Wie viele Kriege führen wir dort – gegen die Andersdenkenden, die
da Oben, die da Unten, die Rechten, die Linken, die Schwulen, die,
die, die…Andren?
Wie oft machen wir uns selbst und die sogenannten Anderen in
Gedanken klein, verurteilen sie, hassen sie, entwerten sie?
Und nicht zu vergessen: die Kriege gegen uns selbst, die oft genug
nicht bemerkt werden und dann leicht zu Stellvertreterkriegen
gegen die sogenannten Anderen ausarten.
Und aus Gedanken werden Worte.
Wie reden wir, wenn wir reden? Ist unsere Sprache aggressiv oder
liebevoll, hasserfüllt oder voller Verständnis?
Wie oft reden wir, wenn wir besser geschwiegen hätten?
Und wie oft schweigen wir, wenn wir besser geredet hätten?
Und aus Worten werden Taten.
Und auch hier gelten dieselben Fragen wie beim Sprechen.
Krieg beginnt in unseren Köpfen.
Und der beste Weg, dem Wunsch „Nie wieder Krieg“ Gestalt zu
geben, ist, sich mit sich selbst und dem eigenen Denken, Reden
und Handeln auseinanderzusetzen.
Wenn wir das tun, dann können wir uns auch konstruktiv mit
anderen Problemen auseinandersetzen.
Wenn wir wirklich Verantwortung übernehmen wollen, dann beginnt
das immer bei uns.
Dann können wir uns wirklich für „NIE WIEDER KRIEG“ einsetzen –
und diesem Satz eine Gestalt geben.
Und wir sollten uns immer darüber im Klaren sein, wie leicht es ist,
das Verhalten anderer rückblickend, mit Jahrzehnten Abstand, zu
beurteilen.
Hätte ich damals gelebt, wäre ich damals erzogen und sozialisiert
worden – ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre.
Ich denke, der Grat zwischen Kriegsverbrecher, ignorantem
Mitläufer und Held des Widerstands ist verdammt schmal.
Text zur Verfügung gestellt von Alf Bartholdy